Frank Schwarz
7 januari 2025
Beim gemütlichen Auspacken und ersten Betrachten macht der Gimbal einen stabilen und soliden Eindruck. Der Hauptarm ist nicht lackiert, pulverbeschichtet, oder anodisiert, sondern mit einer strukturierten ziemlich dicken Gummischicht überzogen. Das erfreut optisch sowie haptisch. Bei mir gab es auch keinerlei üblen Gerüche.Aber, das sind und bleiben leider wirklich die einzigen positiven Eigenschaften die sich finden lassen.So gut die Gummi-Beschichtung erscheinen mag, behindert sie gleichmäßige Drehbewegungen der anderen Teile, da sie an vielen Stellen übersteht. Diese kann man, sofern man anfängt zu basteln, abschneiden und etwas verschleifen. Kann man sich aber, wie alles weitere sparen, da vernünftige Funktionen konstruktionsbedingt nicht erreicht werden können. Bleiben wir zunächst bei den Oberflächen / Beschichtungen. Von der 1,- € Taschenlampe, bis zu ungezählten Kamera Zubehörteilen der verschiedensten Preisklassen, habe ich noch nie schlechtere Qualität gesehen. Der untere Ausleger hat Wellenförmige Verfärbungen. Die Beschichtung ist generell sehr ungleichmäßig. Die hier integrierte ARCA SWISS Kompatible Klemme funktioniert zwar, ist aber nach den ersten Funktionstests-Montagen der Kamera-Objektiv-Kombination schon bis auf das blanke Alu zerkratzt. („LEOFOTO“ Platte die an anderen Klemmen nach unzähligen rauen Outdoor Einsätzen keinerlei Spuren hinterlassen hat). Des Weiteren sind Wasserwagen an schwachsinnigen Stellen verbaut und völlig unnötig für den angedachten Einsatzzweck.Laut Anleitung soll man die Teile des Gimbals vor Benutzung drehen, also „einfahren“. Anfangs ungleichmäßige, schleifende, spürbare Behinderungen und Geräusche beim drehen gehen aber, zunehmend in immer schwergängigere „fressende“ Zustände über. (Feststellschrauben sind natürlich gelöst…). Fertig! Egal wie fest oder lose man die Fixierschrauben anzieht, oder in welche Richtung man dreht, es wird alles nicht mehr besser.Mit den zwei kombinierten Feststell-/Friktionseinstellschrauben sollten sich Neigung und Drehung zuverlässig und präzise dosieren bzw. fixieren lassen. Zieht man diese Schrauben jedoch fest, verstellt sich die Position oder ist sie an anderer Stelle wieder lose.Unabhängig davon ist der Gimbal von Anfang an, bei Sommer-, oder Zimmer-Temperatur schwergängig und nicht wie bei Videoköpfen gedämpft. Das war vielleicht die Grundidee, die hier jedoch nicht umgesetzt werden konnte. Bei Frost oder niedrigen Temperaturen ist der Gimbal unbrauchbar.Ist dieser Gimbal, oder das Material davon ein brauchbares Ausgangsobjekt für eine Bastelei oder für Verbesserungen. NEIN. Jeder aufkeimende Optimismus endet unweigerlich in Unmut.Kommt man überhaupt zerstörungsfrei weiter? Nein!Um die Geheimnisse im Inneren zu schützen, hat der Hersteller alle Deckel und Schrauben mit Weltraumkleber gesichert. Selbstverständlich kommt man auch mit metrischen Imbusschlüsseln nicht weiter. Also tiefer in die Trick- oder Werkzeugkiste greifen. Ich habe es geschafft mit Heißluft Pistole (Steinel mit Reduzier-Runddüse), die Verbindungen soweit zu erwärmen, das die Gummiummantelung noch nicht schmilzt, aber sich die Schrauben mit erheblichem Aufwand lösen lassen. Die schicken Deckel segnen dabei als erste das Zeitliche. Jetzt bestätigt sich die Vermutung, dass man lieber nicht ins Innere blickt. Der Hauptarm besteht, aus sehr weichem, Alu Guss. So weit, nicht gut, da diese auch die Gleitlager für die Drehbewegungen bilden. Die Gegenstücke sind aus noch weicherem Kunststoff. „Geschmiert“ oder verschmiert war das Ganze mit einer Harzähnlichem Melange. Vielleicht um die angedachte Friktion zu erreichen, oder eher um Toleranzen auszugleichen. Intensives Reinigen mit Waschbenzin, polieren der Gleitflächen und richtiges schmieren mit Industriebewährten Fett bringt nur leichte kurzfristige Verbesserungen. Nach wenigen Drehbewegungen fängt das Material wieder an zu fressen und deutliche Spuren zu hinterlassen. Da hilft auch die im Original eingelegte Kunststoff (Folien) Scheibe nichts. Für Unbelehrbare bleibt nur noch die Idee neue Achsen zu drehen, den Arm auszufräsen und Wälzlager einzupressen.Erwähnenswert und ohne Zerlegen sichtbar ist der Zustand der unteren Feststellschraube. Diese besteht aus einer M6 Gewindestange. Am äußeren Ende mit einem Kunststoffgriff versehen, am anderen Ende schräg abgehackt. Die Stange war bei mir verbogen und arg verschmutzt. Klar dass sich hier weder ein ordentliches feststellen und schon gar keine feinfühlige Friktion einstellen lässt. Ich habe, an dieser Stelle noch optimistisch, die Stange gereinigt, gerichtet und das Ende halbkugelförmig geschliffen. Jetzt dreht sie schön leicht, aber zu leicht und mit einigem Spiel, da das Aufnahme-Gewinde direkt in das weiche Alu geschnitten ist und keine Buchse wie bei anderen Anbietern verbaut wurde.Ich habe mehrfach mit mir gehadert und überlegt hier eine Bewertung abzugeben.Fehler können an jedem Artikel auftreten. Oftmals gibt es Bedienfehler oder falsche Erwartungen. Jedoch haben abenteuerliche Aufbauten, die man hier sieht, oder die Verwendung als einfachem Stativkopf nichts mit der angedachten Funktion eines Gimbal-Stativkopfes zu tun. Diese Funktion kann hier konstruktionsbedingt der inneren Teile nicht erfüllt werden. Es ist nicht möglich, leer oder mit Kamera-Objektiv bestückt, eine gleichmäßige und schon gar keine leichte Drehbewegung der beiden Achsen zu erreichen.Äußerlich mit anderen Anbietern durchaus ähnlich, kann hier nur vor der Qualität und der funktionellen Umsetzung gewarnt werden! 0 Sterne-geht leider nicht.