Detlev N.
7 juli 2025
Bringt Pyrolyse etwas?JA!Das kennt man ja schon vom Holzkohlegrill. Ist der Gusseisenrost verdreckt, sollte man ihn einfach mal extrem erhitzen – schon lösen sich alle Rückstände in Asche auf. Diese fällt allerdings unter der ohnehin anfallenden Asche gar nicht auf.Anders ist das beim elektrischen Backofen – der sollte nur bei der Pyrolyse Asche produzieren.Das tut meiner auch brav:20 Minuten nach Start der Pyrolyse werden 300 °C erreicht und die Steuerung gibt beim sonst kaum hörbaren Kühllüfter mächtig Gas. Gefühlt verzehnfacht sich dessen Lautstärke. In 3 Metern Abstand vor dem Ofen werden meine Haare durch den wärmeren und nun deutlich stärkeren Luftstrom spürbar bewegt.Nach 33 Minuten werden 400 °C erreicht. Bei etwa 435 °C und etwa 50 Minuten Laufzeit regelt die Steuerung die Heizung herunter. Man sieht das daran, dass die oberen Heizstäbe nur noch schwach rot leuchten. Die 435 °C bleiben dann für den Rest der 120 Minuten relativ konstant.Mein einziges 600 °C Thermoelement habe ich zwischen die beiden Backbleche gelegt. Meine anderen Messungen unterhalb von 300 °C mit mehreren Thermoelementen ergaben reproduzierbar – je nach Lage des Messpunktes – innerhalb der Garraumes bis zu 50 C° unterschiede.Es kann also sein, dass unterhalb und oberhalb der Backbleche deutlich höhere Temperaturen vorlagen.Auf dem ersten Bild sieht man bei 300 °C eingebranntes Sonnenblumenöl. Es stammt von einer Grauguss-Grillrostplatte, die ich damit eingeölt hatte.Das Foto habe ich aufgenommen, nachdem ich die Rückstände 60 Minuten in Wasser eingeweicht hatte und anschließend wie blöde mit Zitronenessig daran erfolglos geschruppt hatte.Auf dem zweiten Bild sieht man das Ergebnis nach dem 4 stündigen Abkühlen nach der Pyrolyse.Die zuvor fest anhaftenden Ölreste sind wirklich zu Staub zerfallen.Das dritte Bild zeigt den Ofen nach dem mühelosen Wegwischen der Staubreste mit einem feuchten Tuch.Zum Test habe ich den verdreckten Gitterrost meines alten Backofens mit in die Pyrolyse gegeben.Die Fettreste an ihm sind dort nun unlösbar mit den Gitterstäben verbunden.Tja, die Bedienungsanleitung sagt ja auch, man solle den Gitterrost nicht der Pyrolyse unterziehen.Schade eigentlich, weil dessen Reinigung ja am aufwendigsten ist.Update vom 01.07.2024Man kann den Backofen natürlich auch zur gründlichen Reinigung von Emaille-Töpfen einsetzen.Die beiden Fotos von dem innen weißen Topf zeigen die Zustände vor und nach der Pyrolyse.Die grauen Flecken waren auch durch Einsatz von Stahlwolle nicht zu beseitigen.Die Pyrolyse hat sie jedoch rückstandslos entfernt.Anm.: Auf die Reihenfolge der Fotos habe ich keinen Einfluss. Egal in welcher Reihenfolge ich sie hochlade, Amazon mischt sie stets so, dass die Reihenfolge möglichst wenig Sinn ergibt. Deshalb habe ich bei den Fotos oben rechts kleine weiße Nummern eingefügt, die die Reihenfolge angeben, in der ich Sie hochgeladen habe.
S.H.
8 juni 2025
Im Vergleich zum Wettbewerb, bietet der Ofen einen minimierten Funktionsumfang. Punkten sollte er daher mit Qualität, was sicherlich ein Hauptargument für eine Entscheidung für Bosch-Siemens-Geräte ist, also auch erwartet wird.Würde ich das Gerät nochmal kaufen? Nein.Das Gute vorweg:1. Die Temperatur wird wirklich gut bezgl. Gleichmäßigkeit im Garraum verteilt.2. Besonders lobenswert ist die sehr gute Isolierung, die vermutlich aufgrund der Pyrolysefunktion schon erforderlich ist, aber sich auch positiv hervorhebt.3. Das Gerät arbeitet sehr leise4. Es gibt keine "Deppen-Funktionen"Das war es aber auch schon mit der Qualität.Häufig genannte Kritikpunkte sind:1. fehlende Timer (nur Dauer ab jetzt sowie Countdownsignal) und auch schlecht umgesetzt - Stimme dem zu!2. kein einfaches Licht an/aus - ein wirklich ärgerliches Manko, wo es doch auch so einfach umzusetzen wäre.3. Keine IST-Temperaturanzeige, weder im laufenden Betrieb, noch bei Methodenwechsel.Was den 3. Punkt betrifft, gibt es dafür offenbar gute Gründe die der Hersteller kennen muss.Ich nehme das Fazit vorweg und die Details finden Sie weiter unten:1. eine, für diese Qualitäts- / Preisklasse akzeptable Temperatureinhaltung bei Brat- bzw. hohen Gartemperaturen (Schwankungen von +/- 5 bis 8°C), kommt erst nach rund 30 Minuten zustande – manchmal. Die "1-Grad"-Einstellung bei niedrigen Temperaturen ist eher Marketing. Greifen Sie besser zu Hold-o-maten, etc. wenn Sie genau bei Niedertemp. arbeiten wollen/müssen.2. Die »Fertig«-Meldung beim Schnellaufheizen ist eher ein Fake – dies hat sich in jedem Fall gezeigt.3. Eine genauere Temperatur, von Anfang bis Ende des angegebenen Prozesses, bietet der Ofen nicht.4. Geeichte Temperaturmesser können die Fehler eingrenzen und mit Erfahrungswerten für deutlich bessere Ergebnisse sorgen.5. Bei Vorgängen, wo es auf hohe Hitze und Genauigkeit ankommt, empfiehlt es sich (je nach Gargut, Menge und Temperatur) 20-50°C höher zu starten und erst nach einer Weile von 10-20 Minuten auf die tatsächliche Wunschtemperatur herunterzuschalten. Dies alles setzt natürlich voraus, das es auch um Gargut geht, was entsprechend lange Zeiten im Ofen hat, wie eine Gans bspw. Backwaren Brötchen oder kleine deftige Brote bspw. können dagegen ein Problem werden.All diese Mankos scheinen dem Hersteller bewusst zu sein, denn Lochbleche oder andere Backfunktionen (wo es auf Hitze und Genauigkeit ankommt) gibt es nicht. Die sonst üblichen (und eigentlich leicht zu realisierenden) Funktionen, wie etwas das Anzeigen der Ist-Temperatur im Betrieb, die sogar Billiganbieter anbieten, gibt es nicht. Lediglich die Temperatur beim Aufheizen wird (wenn auch falsch) angezeigtZu den Details:Bei der Lieferung des 1. Gerätes (bei der übrigens Amazon sein Versprechen nicht einhielt, aber das kläre ich mit Amazon noch), waren die Ergebnisse deutlich von Erfahrungswerten abweichend.Diese Rezension fokussiert sich daher im weiteren auf die wesentliche Funktion: Die Temperatur! Das Wichtigste, die Kernfunktion die ein Ofen in vielen Dimensionen (Methode, Genauigkeit, Geschwindigkeit etc. pp) bringen muss. Billiggeräte können hier oft "einpacken". Ich war daher überrascht und wollte das genauer wissen.Da ich über geeichte und sehr präzise arbeitende Messgeräte verfüge kamen diese zum Einsatz. (Bild 3 mit schwarzem Hintergrund)Ergebnis: der Backofen heizt zu niedrig und Abweichungen von 30°C bis über 50°C waren die Regel. Beispielsweise erreichte er bei 80°C Unterhitze nur um die 50°C, bei 210°C Umluft nur um die 154°C usw. Dabei zeigte er an, das er die gewünschte korrekte Temperatur hat. Der Ofen lies es sich auch nicht nehmen, die falsche Temperatur recht konstant als "die Richtige" anzusehen.Daher wurde direkt per Chat den Produktservice kontaktiert. Dieser war professionell und fachlich versiert. Er empfahl bei diesen Werten einen Austausch (Rücksendung und Ersatzlieferung).So gab es weitere Tests:Die zweiten Tests mit den exakten Messgeräten brachten aber auch falsche Angaben bzw. Untertemperaturen zum Vorschein (Bild1):Die Einstellungen waren: 250°C Heißluft mit schnellem Vorheizen.Die Grafik (Bild 1) hat dafür markierte Messpunkte. Erläuterung der Messpunkte:• Nach 10 Minuten meldete der Ofen, dass er auf die 250°C vorgeheizt ist. Das ist das worauf Sie sich als Käufer verlassen. Er hatte jedoch in Wirklichkeit nur 217°C - wieder ein gewaltiger Unterschied.• Nach rund 15 Minuten hatte er dann die Zieltemperatur fast erreicht, viel aber kurioserweise sofort wieder ab auf 232°C (Achtzehnte Minute).• Nach 21 Minuten (!) und schnellem Vorheizen wurde erstmalig die Zieltemperatur von 250°C wirklich erreicht, viel aber bis Minute 24 wieder auf 239°C ab.• Bei Minute 24 viel die Temperatur wieder auf 239°C (!)• Der höchste Wert wurde mit 253°C nach 33 Minuten erreicht.Meine Analyse daraus war: Die Abweichungen »nach unten« sind merklich größer als »nach oben«.Die gewünschte Zieltemperatur, beim klassischen heißen Garen, wurde erst nach über 20 Minuten erreicht. Das ist doppelt so lange dauert, wie vom Gerät bzw. Hersteller behauptet.Das erklärt aber im gemeiner Weise, warum die "Coolstart" und "Vorheizen nicht notwendig" so beworben wird.Nun gut. In einem weiteren Versuch wurde daher auf das schnelle Vorheizen (Vorheiztaste) verzichtet. Vielleicht ist es ja auch das Programm (Heissluftmethode) ? Als neu (ohne Bild):Die Zieltemperatur wurde, wie gesagt ohne vorheizen, auf 260°C ober/-unterhitze eingestellt.- Nach ca. 20 Minuten signalisierte der Backofen akustisch und optisch, dass die Zieltemperatur erreicht sei. Tatsächlich belief sich die Temperatur auf ca. 210°C – das ist eine Abweichung von rund 50°C (!) und entsprach der bekannten Abweichung.Nachdem der Ofen, ohne Befüllung, nach 35 Minuten 240°C erreichte, stieg die Temperatur kaum noch, obwohl 260°C vorgegeben waren.Um Praxisbezug herzustellen, wurde der Ofen mit einem Brotteig (~ 600g) befüllt.Wie erwartet, sankt die Ofentemperatur erstmal ab. Konkret auf ca. 210°C.Nur leider ging die Temperatur auch kaum wieder hoch. Das Gerät war felsenfest der Meinung, es hätte weiterhin 260°C (die es ja nie erreichte). Dies konnte ich nachtesten, indem der Ofen nach 8 Minuten (~8 Minuten zeigten sich als typischer Heiz-Zyklus) mit "off" ausgeschaltet wurde, und versucht wurde, ein anderes Programm auf 240°C Umluft mit der »Schnellaufheizen«-Taste zu schalten. Schließlich sollte die Zieltemperatur irgendwie erreicht werden. Der Ofen quittierte allerdings mit einem Fehlerton, in der Art, dass Schnellaufheizen gar nicht geht, weil der Ofen offenkundig weiterhin überzeugt war, 260°C oder mindestens (240°C) zu haben, obwohl er bei knapp über 210°C lag.Vielleicht ein "Montagsgerät?" Jetzt wurde das gleiche Modell, aber ein anderes baugleiches Gerät aus der selben Produktionsserie genommen.Diesem Gerät wurde der 250°C Heißluft-Test ebenfalls unterzogen. Also: Einstellung: 250°C Heißluft mit schnellem Vorheizen. (Bild 2)Erläuterung der Messpunkte:• Die Meldung, der Ofen sei korrekt auf 250°C vorgeheizt, kam mit bekannter nahezu identischer Abweichung.• Bei 241°C irrte der Ofen die 250°C erreicht zu haben und viel wieder ab auf 237°C um allerdings wieder auf 244°C (243,74 diese Genauigkeiten unterschlage ich, weil völlig irrelevant) zu steigen.• So volatil schraubte sich der Backofen an die Zieltemperatur herauf, bis er endlich, nach 34,5 Minuten, erstmals die Zieltemperatur von 250°C erreicht.Interessanterweise lässt sich die Gemeinsamkeit feststellen, dass die Zieltemperatur beim ersten Gerät sogar deutlich früher erreicht wurde, allerdings auch mit klar höherer Volatilität. Die Peaks, grade die unteren Werte, waren dort größer.250°C wurden beim 1. Gerät nach 21 Minuten erreicht, beim 2. Gerät erst nach 34 Minuten.Wie gesagt: Gleiches Modell.Das ist ein enormer Unterschied, zumal beide Geräte die Unwahrheit meldeten bereits nach rund 10 Minuten die Ziel-Temperatur erreicht zu haben. Mehr als doppelt, ja mehr als dreimal so lang war die Realität.Dafür »schraubte« sich das zweite Gerät besser bzw. »verlässlicher« an die Zieltemperatur heran.»10°C mehr, weil rund 10°C weniger«, wären ein handelbarer Weg der mit dem anderen (dem ersten Gerät, das schneller und höher an die Zieltemperatur arbeitete) nicht so zuverlässig funktionieren würde.Fazit:Es ist in der Tat nicht jedes (baugleiche) Gerät gleich gut/schlecht. Bei diesem Modell kann man aber festhalten, das die Temperaturmeldungen nicht stimmen und daher vermutlich auch bewusst keine Temperaturangaben abgerufen werden können.